Bei diesem Dokument handelt es sich um eine Marketingmitteilung.

ESG Handbook Corporates AT (DE)

ESG nimmt einen immer höheren Stellenwert in der Corporate Berichterstattung ein. Das zeigt sich auch anhand der weiteren regulatorischen Verschärfung (CSRD, EU-Taxonomie) die mit Geschäftsberichten für dieses Jahr schlagend wird. Transparenz bietet Kapitalmarktakteuren die Grundlage, um sich ein vollumfängliches Bild des Investmentcases machen zu können und ist daher von großer Bedeutung. ESG Schuldtitel stellen im AT Universum weiterhin ein Alleinstellungsmerkmal dar, wenngleich sich viele Geschäftsmodelle und die Qualität des jeweiligen Reportings für ESG Finanzierungen anbieten würden. Wir beleuchten AT Corporates aus der ESG Perspektive.

Einleitung

Mit dieser Publikation geben wir einen Überblick über das von uns gescorte österreichische ESG-Universum. Wir betrachten unseren hauseigenen Score nicht als die beste oder einzige "Wahrheit". Vielmehr wollen wir ein breiteres Bild vermitteln, welches auch andere Scores sowie ausgewählte ESG-KPIs im Vergleich zu Peers und im Zeitverlauf umfasst. Gleichzeitig erlaubt uns unser ESG-Score Unternehmen auf einer "Apfel-zu-Apfel"-Basis zu vergleichen, was angesichts der Vielzahl der verfügbaren ESG-Scores/Rating von Bedeutung ist. Unser Score reicht von 1 bis 100, wobei 100 der beste Wert ist. Allerdings liegt der globale Median in unserem Universum von etwa 12 Tsd. gescorten Unternehmen bei 44 und der höchste Wert bei 72. Darüber hinaus ist der ESG-Score als relativ zu verstehen, da andernfalls Unternehmen aus Industrien mit einem inhärent hohen CO2 Fußabdruck immer benachteiligt wären. Damit lehnt sich unser Scoring einem "Best-in-Class" Ansatz an, was zur Folge hat, dass ein Vergleich innerhalb der Industrie am sinnvollsten ist. Vor diesem Hintergrund sollten die ESG-Scores für die folgenden 28 österreichischen Unternehmen interpretiert werden. Das Scoring entspricht unserer Überzeugung, dass "Nachhaltigkeit" noch einen weiten Weg vor sich hat. Demnach besteht bei den Scores auch noch deutlich Luft nach oben. Im Laufe der Zeit sollte es zu einer Annäherung kommen. Im Anhang finden Sie die entsprechenden Bewertungsskalen für ausgewählte ESG-Scores/Ratings.

AT Corporates weiterhin globale Vorreiter

Für das österreichische Universum liegt der Medianwert derzeit bei recht hohen 54 Punkten und damit leicht über dem Vorjahr. Mit diesem Scoring sind österreichische Unternehmen in der Regel unter den Top 10-20 % weltweit zu finden.

Darüber hinaus tragen eine Vielzahl der österreichischen Unternehmen mit den jeweiligen Produktpaletten oder Geschäftsmodellen einen wesentlichen Beitrag zum grünen Wandel bei. Hier sind neben den Versorgern wie Verbund und EVN, die ihr Portfolio an erneuerbarer Stromerzeugung deutlich ausbauen möchten und damit die wesentliche Infrastruktur für die Dekarbonisierung der Industrieunternehmen in Österreich bieten, auch Industrieunternehmen selbst zu nennen. Zum Beispiel bietet Andritz Technologien zur CO2-Abscheidung, Produktion von grünem Wasserstoff oder Batterien für die E-Mobilität. FACC leistet mit den Leichtbauprodukten einen Beitrag zur Dekarbonisierung der Flugindustrie. Ebenfalls im Transportwesen bietet Kapsch TrafficCom mit einem Portfolio an Verkehrsmanagementsystemen, die Möglichkeit CO2-Emissionen im Straßenverkehr einzusparen. Darüber hinaus ist Mayr-Melnhof Karton, mit einer überwiegenden Produktion aus Sekundärrohstoffen mit Blick auf die Kreislaufwirtschaft hervorzuheben, während RHI Magnesita mit Feuerfestprodukten für Elektrolichtbogenöfen die Produktion von grünem Stahl unterstützt. Letzteres ist auch ein Ziel der voestalpine. Denn auch an der Dekarbonisierung der eigenen Produktion arbeiten österreichische Unternehmen mit Nachdruck. Beispielsweise setzt die voestalpine, der größte CO2-Emittent Österreichs mit einem Anteil von 15 % an den jährlichen Emissionen, derzeit ihr Flagship Projekt "greentec Steel" um, mit dem ab 2027 rund 5 % der jährlichen Emissionen Österreichs eingespart werden können. Bis 2050 soll die Stahlproduktion gänzlich CO2-neutral sein. Viele weitere Unternehmen, wie aus dem Bau oder Immobilienbereich (wienerberger, Porr, CA Immo, Zumtobel) leisten ebenfalls einen wesentlichen Beitrag zu einer grüneren Zukunft.

In der nachfolgenden Publikation gehen wir auf die zahlreichen, den grünen Wandel unterstützenden, Geschäftsmodelle der österreichischen Unternehmen ein. Dabei kristallisiert sich auch die teilweise enge Auslegung der EU-Taxonomie deutlich heraus. Exemplarisch weist Andritz einen Umsatzanteil nachhaltiger Lösungen und Produkte von 43 % aus, während die EU-Taxonomie konformen Umsätze nur bei 24 % liegen. Teilweise sind bestimmte Geschäftsbereiche noch nicht von der EU-Taxonomie erfasst. Vor diesem Hintergrund liegt der durchschnittliche EU-taxonomiekonforme Umsatzanteil unserer hier analysierten Unternehmen derzeit bei nur 12 %. Mit der Berichtspflicht für Jahresberichte des GJ 24, die nach dem 1. Jänner 2025 veröffentlicht werden könnte es jedoch zu deutlichen Veränderungen kommen, da nun auch die EU-Taxonomiekonformität für die verbleibenden vier EU-Taxonomieaktivitäten verpflichtend eruiert werden muss. Hier nennen wir beispielsweise FACC als Österreichs "Sleeper" der EU-Taxonomie, die für das GJ 23 nahezu 100 % der Umsätze als EU-taxonomiefähig berichtet und vom Wahlrecht Gebrauch gemacht hatten, die Konformität vorerst noch nicht zu berichten.

Chart 1 - ESG Scores AT Corporates
Quelle: RBI/Raiffeisen Research
Chart 2 - ESG Score Veränderung YoY
Quelle: RBI/Raiffeisen Research

ESG Fremdkapitalmarkt

Am österreichischen Fremdkapitalmarkt kommt ESG Emittenten trotz der passenden Geschäftsmodelle oder Projekte hingegen weiterhin ein gewisses Alleinstellungsmerkmal zu. Aus den unten angeführten und von uns gescorten Unternehmen berichten derzeit nur 11 der 28 Unternehmen Finanzierungen mit ESG Bezug. Neben der Verbund, die aktuell am meisten Fremdkapital mit ESG Bezug ausstehend hat, gilt es auch RHI Magnesita, mit EUR 1,4 Mrd. an ESG-linked Schuldtiteln sowie einem EUR 600 Mio. ungenutzten RCF, als klare Vorreiter in Österreich hervorzuheben. Auch die voestalpine konnte sich im abgelaufenen Kalenderjahr dem ausgewählten Kreis der AT ESG Emittenten mit einem EUR 500 Mio. Green Bond anschließen. Darüber hinaus sind die Wienerberger sowie CA Immo als reguläre ESG Emittenten hervorzuheben, aber auch einige andere AT Emittenten haben sich mit SLB oder grünen Strukturen an den Fremdkapitalmarkt gewagt. Mit ESG Fremdkapital kann man sich im AT Corporate Bereich somit weiterhin abheben und gleichzeitig die Investorenbasis erweitern. Die Geschäftsmodelle und umfangreiche Berichterstattung der von uns analysierten Peergruppe würden sich jedenfalls in vielen Fällen bereits gut anbieten.

Chart 3 - Österreich's ESG Emittenten
Quelle: Unternehmensangaben, RBI/Raiffeisen Research

Unser AT ESG Score Universum

A1 Telekom Austria Group

A1 Telekom Austria Group (A1) ist ein führender Telekommunikationsdienstleister, der in Österreich (53 % des Umsatzes im GJ 23), Bulgarien (14 %), Kroatien (10 %), Weißrussland (8 %), Serbien (7 %), Slowenien (5 %) und Nordmazedonien (3 %) tätig ist. A1 ist auf einem guten Weg, sein THG-Reduktionsziel (Scope 1 & 2) zu erreichen, da bereits 54 % der angestrebten 90 % erreicht wurden. Insbesondere zwischen dem GJ 20 und dem GJ 23 hat A1 seine Scope-2-Emissionen (marktbasiert) – welche die Scope-1-Emissionen aufgrund des Energieverbrauchs der Netzwerkinfrastruktur deutlich übertreffen – um kumulierte 57 % gesenkt. Die Scope-1-Emissionen der A1, zu denen Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe für Heizung und Mobilität gehören, wurden im GJ 23 um 10 % YoY reduziert. Die Scope 2 Emissionen gingen um 14 % YoY zurück. Das langfristige Programm des Unternehmens zur allgemeinen Effizienzsteigerung wurde im GJ 23 um Maßnahmen zur Reduzierung der CO2-Emissionen erweitert. Am Ende des GJ 23 umfasste das Programm 73 Maßnahmen. Derzeit sind weder die Umsätze noch die Capex EU-Taxonomiekonform, und nur ein kleiner Anteil ist fähig (z. B. 2,7 % der Umsätze und 5 % der Capex im GJ 23). Das Unternehmen nahm im GJ 23 zwei weitere EU-Taxonomie Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Übergang zur Kreislaufwirtschaft auf. In Zukunft und mit der Konzentration von A1 auf Recycling und Wiederaufbereitung von Geräten könnten die EU-Taxonomie konformen Umsätze steigen. Während der jüngste Trend bei den ESG-KPIs gemischt ist, führt A1 die Sektorpeers in allen unten angeführten Kennzahlen an. (Martin Kutny)

Tabelle 1 - ESG Dashboard*
*vs. Sektor basiert auf GICS Level 3 Durchschnitt per KPI; Quelle: Bloomberg, LSEG, RBI/Raiffeisen Research
Chart 4 - ESG Gesamtscore
Quelle: RBI/Raiffeisen Research
Chart 5 - ESG Ländervergleich
Quelle: RBI/Raiffeisen Research

AGRANA

AGRANA ist ein weltweit führender Verarbeiter von agrarischen Rohstoffen mit den drei Segmenten Frucht, Stärke und Zucker und produziert damit Lebensmittel und Zwischenprodukte für die Lebensmittelindustrie sowie für Non-Food-Anwendungen. Das Geschäftsmodell der AGRANA ist durch die Verarbeitung agrarischer Rohstoffe, insbesondere in den Segmenten Stärke und Zucker, energieintensiv. AGRANA strebt eine 50%ige Scope 1+2 und eine 34%ige Scope 3 Emissionsreduktion bis 2030 im Vergleich zum Basisjahr 2019/20 an. Darüber hinaus strebt AGRANA für Scope 1+2 bis 2040 und für Scope 3 bis 2050 Netto-Null-Emissionen an. Das Unternehmen konzentriert sich auf die Umstellung von Kohle auf Gas, die Installation von Biomassekesseln, die Verbrennung von Weizenkleie und die Verdampfung von Dünnschlempe sowie auf die Wärmerückgewinnung. Der Anteil der erneuerbaren Energien erreichte im GJ 23/24 15 % und stützte sich hauptsächlich auf erneuerbare Elektrizität (12 %), Biogas (2 %) und Biomasse (1 %). Das Zuckersegment war mit 51 % der Hauptverursacher der Scope 1+2 Emissionen, gefolgt von den Segmenten Stärke (32 %) und Obst (17 %). Positiv zu vermerken ist, dass die von der LSEG berichtete Kohlenstoffintensität im GJ 23/24 um 23 % YoY gesunken ist. Zur Erinnerung: Im Geschäftsjahr 22/23 hat das Unternehmen ein ESG-linked Schuldscheindarlehen in Höhe von EUR 235 Mio. ausgegeben, das bis heute seine einzige nachhaltige Verschuldung darstellt. Das Unternehmen ist in seinen ESG-Kern-KPIs im Vergleich zu seinen Mitbewerbern weiterhin gut positioniert. (Martin Kutny)

Tabelle 2 - ESG Dashboard*
*vs. Sektor basiert auf GICS Level 3 Durchschnitt per KPI
Quelle: Bloomberg, LSEG, RBI/Raiffeisen Research
Chart 6 - ESG Gesamtscore
Quelle: RBI/Raiffeisen Research
Chart 7 - ESG Ländervergleich
Quelle: RBI/Raiffeisen Research

ams OSRAM

Die ams OSRAM Gruppe (ams) mit Sitz in Premstätten, Österreich, ist ein weltweit führender Anbieter von optischen Lösungen und bietet die gesamte Wertschöpfungskette in den Bereichen Sensorik, Beleuchtung und Visualisierung an. Die Produktion von Lampen, wie z. B. Halogenlampen (für Fahrzeuge), hängt grundlegend von Gas oder LNG ab. ams will bis 2030 klimaneutral werden. Die Scope 1 Emissionen stiegen im Vergleich zum Basisjahr um 11 %, während die Scope 2 Emissionen (marktbasiert) im GJ 23 um 12 % sanken. Ein höherer Anteil der Scope-2-Emissionen führte im GJ 23 zu einer Reduzierung der Scope-1+2-Emissionen um insgesamt 9 %, verglichen mit dem angestrebten Rückgang von 100 % bis 2030. Die Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien ist ein entscheidender Faktor, um das Ziel zu erreichen (+9 Pp im GJ 23). ams untersucht Alternativen zu fossilen Brennstoffen für Heizzwecke und sieht den Ausgleich durch Emissionsgutschriften als Option. Der Energieverbrauch sank aufgrund der Schließung von Standorten um 5,4 % YoY, allerdings stieg die Energieintensität (pro Betriebseinheit) im GJ 2023 um 9,7 %. Darüber hinaus strebt ams eine Reduzierung der Scope-3-Emissionen um 47,5 % bis 2030 und um 97 % bis 2050 an, was wir positiv hervorheben. ams hat sich entschieden, vorerst nur die EU-Taxonomie Fähigkeit zu berichten, welche 54 % der Umsätze und 53 % der Capex ausmacht. Daher liegt die Konformität derzeit bei 0 %, wie unten dargestellt. ams zeigt einen negativen Trend für die Mehrheit der angezeigten ESG-KPIs, ist abber trotzdem im Vergleich zum gesamten Halbleitersektor führend. (Martin Kutny)

Tabelle 3 - ESG Dashboard*
*vs. Sektor basiert auf GICS Level 3 Durchschnitt per KPI
Quelle: Bloomberg, LSEG, RBI/Raiffeisen Research
Chart 8 - ESG Gesamtscore
Quelle: RBI/Raiffeisen Research

Chart 9 - ESG Ländervergleich
Quelle: RBI/Raiffeisen Research

Andritz

Andritz leistet als weltweit führender Lieferant von Anlagen, Ausrüstungen, Systemen und Services für Wasserkraftwerke, die Zellstoff- und Papierindustrie, Metall- und Stahlindustrie sowie Umweltindustrien und den grünen Energiesektor einen wesentlichen Beitrag zum grünen Wandel. Zur nachhaltigen Produktpalette zählen bspw. Technologien zur CO2-Abscheidung, Produktion von grünem Wasserstoff oder Batterien für die E-Mobilität. So weist Andritz für die 9M 24 einen Umsatzanteil nachhaltiger Lösungen und Produkte von 43 % aus und strebt bis 2025 einen Anteil von >50 % an. Die EU-taxonomiekonformen Umsätze spiegeln das mit "nur" 24 % im GJ 23 nicht vollständig wider, was laut Andritz auf die enge Auslegung der EU-Taxonomie zurückzuführen ist. Auch das in Kraft treten der Berichtspflicht für die weiteren vier EU-Taxonomieaktivitäten, hatte nur einen leichten Anstieg der EU-taxonomiefähigen Umsätze auf 33,9 % von 27,9 % zur Folge. Auch abseits des eigenen Produktportfolios kann Andritz weiterhin industrieweit führende ESG KPIs, insbesondere bei CO2- und Energieintensität, vorweisen. Der eigene Dreijahrestrend deutet dabei auch klar nach oben, was durch das vorzeitige Erreichen des eigenen Dekarbonisierungsziels bis 2025 per 9M 24 unterstrichen wird. (Georg Zaccaria)

Tabelle 4 - ESG Dashboard*
*vs. Sektor basiert auf GICS Level 3 Durchschnitt per KPI; **verfügbar aber nicht öffentlich zugänglich
Quelle: Bloomberg, LSEG, RBI/Raiffeisen Research
Chart 10 - ESG Gesamtscore
Quelle: RBI/Raiffeisen Research
Chart 11 - ESG Ländervergleich
Quelle: RBI/Raiffeisen Research

AT&S

AT&S ist ein führender Hersteller von High-End-Leiterplatten (PCB) und IC-Substraten mit Hauptsitz in Leoben, Österreich. Die Klimaschutzziele der AT&S wurden kürzlich von der Science Based Targets Initiative (SBTi) als im Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen (1,5 Grad) anerkannt. Im Rahmen dieser Ziele will AT&S die Scope 1 & 2 Treibhausgasemissionen bis 2030/31 um 38 % reduzieren. Die Scope 3-Emissionen sollen um 48 % reduziert werden. Die Reduktion soll durch Energieeffizienzmaßnahmen und einen höheren Anteil an grüner Energie im Energiemix erreicht werden. Daher sollen bis 2025 80 % der Energie aus erneuerbaren Quellen stammen, was angesichts der Tatsache, dass die Scope-2-Emissionen die Scope-1-Emissionen bei weitem übersteigen, ein wichtiger Hebel zur Erreichung des Treibhausgasziels ist. Im GJ 23/24 lag der vom Unternehmen berichtete Anteil erneuerbarer Energien bei 73,9 % und damit nahe am Ziel von 80 %. Das Unternehmen hat seine Bemühungen zur Dekarbonisierung im GJ 23/24 erheblich beschleunigt, da die Scope 1+2 Emissionen um 49 % YoY und im Vergleich zum Basisjahr um 56 % gesunken sind. Dies ist hauptsächlich auf den vertraglich vereinbarten Strom aus erneuerbaren Quellen zurückzuführen. Es ist weiterhin wichtig, den Anteil dieses Stroms am Energiemix auch in Zukunft beizubehalten, um die Emissionen der Kategorie 2 in Grenzen zu halten. Damit konnte das selbstgesetzte Reduktionsziel bereits überschritten werden. Basierend auf öffentlich zugänglichen Informationen hat AT&S im Jahr 2023 ein ESG-linked SSD mit einem Volumen von mindestens EUR 150 Mio. begeben, dessen KPIs an Scope 1, 2 und 3 Emissionen gebunden sind. (Martin Kutny)

Tabelle 5 - ESG Dashboard*
*vs. Sektor basiert auf GICS Level 3 Durchschnitt per KPI
Quelle: Bloomberg, LSEG, RBI/Raiffeisen Research
Chart 12 - ESG Gesamtscore
Quelle: RBI/Raiffeisen Research
Chart 13 - ESG Ländervergleich
Quelle: RBI/Raiffeisen Research

CA Immobilien Anlagen

CA Immo ist ein führender Prime Office Player mit Deutschland als Ankermarkt. Das hochwertige Portfolio bedient die Nachfrage nach energieeffizienten und innovativen Büros. Im Rahmen des Kapitalrotationsprogramms veräußert die Gruppe sukzessive Objekte, die nicht oder nicht mehr dem strategischen Anforderungsprofil der CA Immo entsprechen. Ein weiterhin relativ hoher RBI-Score führt zu einer Spitzenposition innerhalb des ESG-bewerteten Universums. Im Vergleich zur Vorjahresausgabe des Handbooks sind mittlerweile auch die Energiezahlen für das GJ 23 sowie GJ 22 vom Unternehmen vervollständigt worden. Hierbei ergaben sich kaum Veränderungen. Bei den KPIs ist der Anteil an erneuerbarer Energie weiter angewachsen und mit 28 % nur mehr knapp unter dem derzeitigen Industriedurchschnitt von 30 %. Insgesamt ergibt sich für CA Immo ein weiterhin hoher RBI ESG Score sowie relativ hohe Einstufungen auf globaler, Länder- sowie Industrieebene. Betreffend nachhaltiger Gebäudezertifizierungen weist CA Immo den Anteil im Bestandsportfolio bei rund 70 % aus, der weiter auf über 80 % steigen sollte. Beim selbstauferlegten Ziel der Reduktion am Emissionsausstoß bis 2030 im Ausmaß von -50 % berichtet CA Immo per JE 23 eine derzeitige Übererfüllung von -67 %. (Jürgen Walter)

Tabelle 6 - ESG Dashboard*
*vs. Sektor basiert auf GICS Level 3 Durchschnitt per KPI
Quelle: Bloomberg, LSEG, Unternehmensangaben, RBI/Raiffeisen Research
Chart 14 - ESG Gesamtscore
Quelle: RBI/Raiffeisen Research
Chart 15 - ESG Ländervergleich
Quelle: RBI/Raiffeisen Research

DO & CO

DO & CO ist eine internationale Catering Gruppe mit Schwerpunkt auf Airline Catering, internationalem Event Catering sowie Restaurants, Lounges und Hotels. DO & CO konnte im Vergleich zu unserer Vorjahresausgabe weitere wesentliche ESG-Meilensteine erreichen. So wurden die Netto-Null-Emissionsziele für 2030 (Scope 1 & 2) bzw. 2040 (inkl. Scope 3) im laufenden GJ 24/25 von der SBTi bestätigt. Beim Airline- als auch Eventcatering steht neben den Scope 3 Emissionen, insbesondere der Abfall- und Wasserverbrauch im Fokus. Die Abfallintensität konnte zuletzt um 48 % reduziert werden, während die Wasserintensität um 12 % abnahm. Zudem legt DO & CO Wert auf eine lokale Beschaffung und beabsichtigt bis 2030, 70 % der Produkte auf diesem Weg zu beziehen. Bereits jetzt werden 60 % der Produkte lokal zugekauft, was auch CO2-Emissionen, aufgrund kürzerer Transportwege, spart. Neben letzterem trug auch der deutlich höhere Anteil erneuerbaren Stroms (von 20 % auf 45 %) zu einem Rückgang der CO2-Intensität bei. Umgelegt auf den gesamten Energieverbrauch (siehe Tabelle) schneidet DO & CO damit nun auch - und im Gegensatz zum Vorjahr - besser als die Peers ab. Abseits der besseren ESG KPI Performance, heben wir auch die etwas adaptierte und umfangreichere Berichterstattung hervor (Vorbereitung CSRD ab GJ 24/25), die jedoch auf Kosten der Vorjahresvergleichbarkeit geht. Als Wermutstropfen merken wir an, dass der Net-Zero-Fortschritt nach wie vor nicht verfolgt werden kann. (Georg Zaccaria)

Tabelle 7 - ESG Dashboard*
*vs. Sektor basiert auf GICS Level 3 Durchschnitt per KPI; **GJ 22/23
Quelle: Bloomberg, LSEG, RBI/Raiffeisen Research
Chart 16 - ESG Gesamtscore
Quelle: RBI/Raiffeisen Research
Chart 17 - ESG Ländervergleich
Quelle: RBI/Raiffeisen Research

EVN

Die EVN ist Österreichs zweitgrößter Energieversorger und konzentriert sich hauptsächlich auf das regulierte und so genannte "stabile" Geschäft im Bundesland Niederösterreich. Das Unternehmen plant einen massiven Anstieg der Investitionsausgaben mit jährlichen Investitionen zwischen EUR 700 Mio. und EUR 900 Mio., die sich hauptsächlich auf Netze, Windenergie, Wärme und Trinkwasserversorgung konzentrieren. EVN hat ehrgeizige Ziele für den Ausbau der Windenergie und der Photovoltaik, wobei erstere von 1,1 TWh auf 2,0 TWh und letztere von 50 GWh auf 400 GWh bis 2028-2030 wachsen soll. Laut Bloomberg hat das Unternehmen bereits eine Emissionsreduzierung von 45 % im Vergleich zu seinem für 2033/34 festgelegten Ziel von 38 % erreicht. EVN kündigte an, seine Ziele zur Reduzierung von CO2 zu überarbeiten und zu intensivieren. Diese werden im GJ 24/25 bei der Science Based Targets Initiative zur externen, wissenschaftlichen Bewertung und Validierung eingereicht. Der erste Schritt wurde im November 2024 mit der Einreichung eines Verpflichtungsschreibens unternommen. Das Unternehmen hat sein Engagement für grüne Finanzierungen in seinem 2020 veröffentlichten Rahmenwerk für grüne Finanzierungen bekräftigt. Die grünen Emissionen werden durch die 2035 fällige grüne Privatplatzierung in Höhe von EUR 101 Mio. und ein 2030 fälliges grünes Schuldscheindarlehen in Höhe von EUR 100 Mio. repräsentiert. Die gesamte von EVN an Endkunden in Österreich verkaufte Strommenge wurde im Kalenderjahr 2023 erstmals CO2e-frei erzeugt (2022: ~90 %). EVN konnte seine führende Position gegenüber seinen Branchenkollegen im GJ 23 behaupten. (Martin Kutny)

Tabelle 8 - ESG Dashboard*
*vs. Sektor basiert auf GICS Level 3 Durchschnitt per KPI
Quelle: Bloomberg, LSEG, RBI/Raiffeisen Research
Chart 18 - ESG Gesamtscore
Quelle: RBI/Raiffeisen Research
Chart 19 - ESG Ländervergleich
Quelle: RBI/Raiffeisen Research

FACC

FACC entwirft, entwickelt und fertigt fortschrittliche Flugzeugkomponenten und -systeme für Passagierflugzeuge und Business Jets an. Damit ist FACC ein Tier-1-Zulieferer für alle großen OEMs der Luftfahrtindustrie. Obwohl die Luftfahrtindustrie nur etwa 2 % der weltweiten Emissionen ausmacht, gilt sie laut IEA als einer der Sektoren mit den größten Herausforderungen bei der Dekarbonisierung. Mit ihren Leichtbauprodukten nimmt FACC diese Herausforderung aktiv an und erforscht beispielsweise auch die Verwendung und das Recycling von thermoplastischen Verbundwerksstoffen. Das spiegelt sich auch anhand des Potenzials im Rahmen der EU-Taxonomie wider. Zwar berichtete FACC auch im GJ 23 keine taxonomiekonformen Umsätze oder Capex, jedoch liegt der Anteil der taxonomiefähigen Umsätze und Capex als Folge der EU-Taxonomieausweitung bei 98,8 % bzw. 99 %. FACC hat von dem im GJ 23 gültigen Wahlrecht Gebrauch gemacht und vorerst nur die Taxonomiefähigkeit berichtet. Für den GJ 24 Report wird die Taxonomiefähigkeit angegeben werden. Damit kann FACC angesichts des massiven Potenzials als Österreichs "Sleeper" der EU-Taxonomie bezeichnet werden. Im GJ 23 konnten insbesondere die CO2- aber auch die Energieintensität deutlich verbessert werden. Erstere konnte im Jahresvergleich halbiert werden, während FACC bei letzterer nun auch über den Peers rangiert. In Summe kann FACC den positiven Trend der Vorjahre beibehalten. (Georg Zaccaria)

Tabelle 9 - ESG Dashboard*
*vs. Sektor basiert auf GICS Level 3 Durchschnitt per KPI
Quelle: Bloomberg, LSEG, RBI/Raiffeisen Research
Chart 20 - ESG Gesamtscore
Quelle: RBI/Raiffeisen Research
Chart 21 - ESG Ländervergleich
Quelle: RBI/Raiffeisen Research

Flughafen Wien

Der Flughafen Wien ist der Betreiber des größten österreichischen Flughafens in Schwechat bei Wien. Durch seine geografische Lage in Zentraleuropa fungiert dieser als eine der wichtigsten Drehscheiben zu den florierenden Destinationen Mittel- und Osteuropas. Außerdem hält man Beteiligungen am Flughafen Luqa in Malta und am internationalen Verkehrsflughafen der Stadt Kosice, Slowakei. Der Flughafen Wien strebt eine komplette CO2-Neutralität bis 2033 an, deren Fortschritt über ein Zwischenziel evaluiert werden kann. Die Kernindikatoren weiteten sich in absoluter Form auch im Jahr 2023 aus. Relativ betrachtet zum Fracht- bzw. Passagieraufkommen zeigen sich deutliche Fortschritte, da die überdurchschnittliche Erholung nach der COVID-19-Pandemie verbesserte Umweltkennzahlen erzeugt. Die CO2- und Energieintensitäten bestätigen dies. Somit bewegen sich die gegenwärtigen Istwerte durch die normalisierende Auslastung in Einklang mit den auferlegten Zwischenzielwerten für das Jahr 2025. Gegenüber den Kennzahlen vor der COVID-19-Pandemie stagniert vor allem der Fortschritt des Treibstoffverbrauchs. Dasselbe gilt für die elektrische Energie, wobei hier ein wesentlicher Anteil durch eigene Photovoltaikanlagen erzielt wird. Wenig überraschend bleiben CO2-Treibhausgasemissionen ein schwieriges Thema für die Luftfahrtindustrie. Der Flughafen Wien greift deswegen aktiv auf den Erwerb von CO2-Zertifikaten zurück. Insgesamt liegt beim Flughafen Wien beim spärlichen ESG-Reporting Aufholpotenzial vor. (Fabian Laminger)

Tabelle 10 - ESG Dashboard*
*vs. Sektor basiert auf GICS Level 3 Durchschnitt per KPI; **2022
Quelle: Bloomberg, LSEG, RBI/Raiffeisen Research
Chart 22 - ESG Gesamtscore
Quelle: RBI/Raiffeisen Research
Chart 23 - ESG Ländervergleich
Quelle: RBI/Raiffeisen Research

Frequentis

Frequentis, ein High-Tech-Unternehmen mit Sitz in Wien, ist ein globaler Anbieter für Kommunikations- und Informationssysteme, die in Leitstellen mit sicherheitskritischen Aufgaben eingesetzt werden. Dabei gliedert sich das Unternehmen in die Geschäftsbereiche Air Traffic Management (zivil & militärisch, Luftverteidigung) und Public Safety & Transport (Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste, Küstenwache, Hafenbehörden, Bahn). Auf der Grundlage mehrerer Wesentlichkeitsanalysen hat das Unternehmen eine konzernweite ESG-Organisation entwickelt, um das Thema Nachhaltigkeit in seinen drei Facetten abzudecken. Das Unternehmen hat zwar bis jetzt noch kein konkretes Ziel für die Reduzierung von Treibhausgasen festgelegt, zu seinen langfristigen Umweltzielen zählt jedoch die Klimaneutralität bis 2040. Zu den weiteren E-Zielen gehört auch eine Reduzierung des Energie-, Wasser- und Abfallverbrauchs um jeweils -20 % bis 2030 (gegenüber 2019). Frequentis ist bei allen unten angeführten KPIs führend im Vergleich zu seinen Branchenkollegen und konnte im GJ 23 weitere Verbesserungen erzielen. Dennoch verschlechterte sich etwas das relative Ranking auf globaler Ebene bzw. innerhalb Österreichs. (Jürgen Walter)

Tabelle 11 - ESG Dashboard*
*vs. Sektor basiert auf GICS Level 3 Durchschnitt per KPI
Quelle: Bloomberg, LSEG, Unternehmensangaben, RBI/Raiffeisen Research
Chart 24 - ESG Gesamtscore
Quelle: RBI/Raiffeisen Research
Chart 25 - ESG Ländervergleich
Quelle: RBI/Raiffeisen Research

Immofinanz

Immofinanz ist seit dem kürzlichen Squeeze Out bei der S IMMO eine der führenden Gewerbeimmobiliengesellschaften in Mittel- und Osteuropa mit mehr als 200 Büro- und Einzelhandelsobjekten. Durch die Berücksichtigung der S IMMO gab es mit dem GJ 23 in der absoluten Betrachtung der Intensitätskennzahlen deutliche Erhöhungen. Nach wie vor sind diese jedoch im globalen Industrievergleich merklich geringer. Dennoch veränderte sich hierbei die Positionierung im Industrievergleich von Top 10 % auf Top 20 %. Insgesamt verschlechterte sich der RBI ESG Score auch geringfügig. Dies bewirkte u.a. ein weiteres Abrutschen im Vergleich innerhalb Österreichs von untere 30 % auf untere 20 %. Dem Ziel einer Emissionsreduktion bei den Treibhausgasen bis 2030 im Ausmaß von -60 % ist das Unternehmen mit JE 23 schon relativ nahegekommen (-44 %). So stattete Immfinanz zuletzt sechs slowenische Standorte von Retail Parks (in Summe 1.200 kWp) mit Photovoltaikanlagen aus. Zudem erweiterte man die Photovoltaikkapazität in Österreich in mehreren Stufen auf 2.600 kWp. Nach wie vor verfolgt die Immofinanz bis 2040 emissionsfrei zu werden. Als Green-Lease-Anbieter weist das Unternehmen rund 42 % der vermietbaren Fläche des Bestandsportfolios als nachhaltig zertifiziert aus. (Jürgen Walter)

Tabelle 12 - ESG Dashboard*
*vs. Sektor basiert auf GICS Level 3 Durchschnitt per KPI
Quelle: Bloomberg, LSEG, Unternehmensangaben, RBI/Raiffeisen Research
Chart 26 - ESG Gesamtscore
Quelle: RBI/Raiffeisen Research
Chart 27 - ESG Ländervergleich
Quelle: RBI/Raiffeisen Research

Kapsch TrafficCom

Kapsch TrafficCom ist ein weltweit anerkannter Anbieter von Verkehrslösungen für nachhaltige Mobilität. Zu den Produkten und Lösungen des Unternehmens zählen u.a. Mauttechnologie, Verkehrsmanagement, Umweltzonen und Nachfragemanagement. Durch die Mauteinanhmen kann die Straßenqualität verbessert und damit die CO2-Emissionen reduziert werden. Während das Verkehrsmanagement Stop-and-go Phasen reduziert. Damit sitzt Kapsch TrafficCom am Kern des grünen Wandels, da der Straßenverkehr weltweit 20 % aller Emissionen ausmacht. Abseits des Geschäftsmodells sehen wir bei der ESG Berichterstattung jedoch noch wesentlichen Aufholbedarf. Zwar wurde das Reporting in den vergangenen Jahren immer wieder adaptiert und erweitert, ein einheitlicher Performancevergleich wird dadurch jedoch erschwert. Während im GJ 22/23 noch ein Ziel der CO2-Neutralität bis 2027 stipuliert wurde, beabsichtigt man per Bericht des GJ 23/24 den Corporate-Carbon-Footprint bis 2030 um 42 % zu senken. Letzterer ist jedoch noch in Ausarbeitung und somit nicht klar definiert. Das Basisjahr für die jeweiligen Scope 1, 2 und 3 Emissionen weichen zudem von jenem des Corporate-Carbon-Footprint-Zielwerts ab. Auch der Anteil erneuerbarer Energie wird weiterhin nicht berichtet, soll aber wesentlich zum Erreichen des Corporate-Carbon-Footprints beitragen. Somit gestaltet sich die ESG Analyse schwierig. Verbesserung erwarten wir jedoch bereits mit dem Bericht des GJ 24/25, in dem weitere Kennzahlen und Strategien, sowie der Corporate-Carbon-Footprint, berichtet werden sollen. (Georg Zaccaria)

Tabelle 13 - ESG Dashboard*
*vs. Sektor basiert auf GICS Level 3 Durchschnitt per KPI; **GJ 22/23
Quelle: Bloomberg, LSEG, RBI/Raiffeisen Research
Chart 28 - ESG Gesamtscore
Quelle: RBI/Raiffeisen Research
Chart 29 - ESG Ländervergleich
Quelle: RBI/Raiffeisen Research

Kontron

Die Kontron Gruppe mit Hauptsitz in Linz/Österreich, die aus der Übernahme der deutschen Kontron durch die österreichische S&T AG entstand, ist ein multinationaler Technologieführer mit Fokus auf IoT-Lösungen. Das IoT-Angebot umfasst Lösungen in den Bereichen intelligente Automatisierung, Medizintechnik, öffentlicher Verkehr, Energieversorgung, Telekommunikation, Luftfahrt und öffentliche Einrichtungen. Die Produktpalette trägt dazu bei, Ressourcen einzusparen, Energie nachhaltiger zu nutzen und Umweltziele zu erreichen. Zudem wurde mit der Eingliederung der Katek ein Vorreiter in der Entwicklung regenerativer Energielösungen im Bereich Solarenergie und E-Mobility übernommen. Trotz des doch deutlichen ESG Aspekts der Produktpalette, ist das ESG-Reporting in der Gruppe in laufender Entwicklung. Im Zuge des ESG-Stufenplans wird das ESG-Reporting weiter im GJ 25 verfeinert. Als wesentliches ESG Ziel wird die Halbierung der THG-Emissionen (Scope 1 und 2) bis 2030 verfolgt. Ausgehend von den von uns verwendenden KPIs konnte sich das Unternehmen per GJ 23 in nahezu allen KPIs vs. VJ verbessern. Darüber hinaus ist Kontron in drei der fünf von uns dargestellten KPIs im Vergleich zur Industrie führend. (Jürgen Walter)

Tabelle 14 - ESG Dashboard*
*vs. Sektor basiert auf GICS Level 3 Durchschnitt per KPI
Quelle: Bloomberg, LSEG, Unternehmensangaben, RBI/Raiffeisen Research
Chart 30 - ESG Gesamtscore
Quelle: RBI/Raiffeisen Research
Chart 31 - ESG Ländervergleich
Quelle: RBI/Raiffeisen Research

Lenzing

Die Lenzing AG gehört zu den weltweit führenden Herstellern von Zellstoff und Fasern zur Produktion von Textilien und Vliesprodukten. Die Nachhaltigkeitsstrategie „Naturally Positive“ ist innerhalb der unternehmensweiten Gesamtstrategie verankert. Im Rahmen der CO2-Emissionen spielt bei der Rohstoffbeschaffung die Wertschöpfungskette eine bedeutende Rolle. Über die Hälfte des CO2-Fußabdrucks ist auf Scope 3 zurückzuführen. Mit Blick auf die anvisierte Verringerung der absoluten Treibhausgasemissionen kam es zu kleinen Änderungen. Es wird eine langfristige Verringerung iHv. mindestens 90 % bis 2050 anvisiert. Außerdem existieren Zwischenziele bis 2030. Gegenüber der Ausgangsbasis des Jahres 2021 konnten bereits Fortschritte erzielt werden, auch wenn die Kennzahlen im Vorjahr stagnierten. Die Nachvollziehbarkeit wird durch einen transparenten Maßnahmenkatalog unterstützt. Der Energieverbrauch, der die größte Bedeutung der direkten Treibhausgasemissionen einnimmt, stieg zuletzt an. Jedoch konnte durch eine gleichzeitige Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien der absolute Verbrauch fossiler Brennstoffe verringert werden. In Summe erzielt Lenzing in Relation zu den selbstauferlegten Benchmarks stetige Fortschritte. Dies mündet in einer führenden Position innerhalb des Sektors. Auch unser verbesserter ESG-Gesamtscore spiegelt die positive Entwicklung wider. (Fabian Laminger)

Tabelle 15 - ESG Dashboard*
*vs. Sektor basiert auf GICS Level 3 Durchschnitt per KPI
Quelle: Bloomberg, LSEG, RBI/Raiffeisen Research
Chart 32 - ESG Gesamtscore
Quelle: RBI/Raiffeisen Research
Chart 33 - ESG Ländervergleich
Quelle: RBI/Raiffeisen Research

Mayr-Melnhof Karton

Mayr-Melnhof Karton (MM) ist ein weltweit führender Produzent von Karton und Faltschachteln. Mit starkem Fokus auf Sekundärfasern spielt die Biodiversität eine wichtige Rolle. Die Anteile erneuerbarer Rohstoffe in der Produktion der Divisionen MM Board & Paper und MM Packaging betrugen 76 % bzw. 94 % im Jahr 2023. Auch ansonsten steht das Kerngeschäft von MM in Einklang mit dem EU-Kreislaufwirtschaftspaket, das vor allem die Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR) umfasst. MM bekennt sich mit der "MM Policy for Forests and Natural Ecosystems" zu einer verantwortungsvollen und nachhaltigen Beschaffung von forstwirtschaftlichen Rohstoffen. Auf Produktebene finden diese Anliegen insbesondere in der Zertifizierung der MM Board & Paper Werke nach PEFC- und FSC-Standards Ausdruck. Hinblickend auf den energie- und wasserintensiven Herstellungsprozess erzielte MM weitere Fortschritte. Aufgrund des anorganischen Wachstums der Produktionskapazitäten stiegen jedoch sowohl die CO2-Emissionen als auch der Wasserverbrauch in den Vorjahren deutlich an. Folgend sind die absoluten Fortschritte in Relation zum Basisjahr schwierig zu messen. Andererseits weisen die KPIs im 3-Jahrestrend Verbesserungen auf. Mit einem Anstieg des Anteils erneuerbarer Quellen am gesamten Energieverbrauch auf rund 46 % liegt man bereits über der selbstauferlegten Schwelle des Jahres 2031. In diesem Kontext erwartet sich MM weitere Fortschritte durch Investitionen im Werk in Kwidzyn. (Fabian Laminger)

Tabelle 16 - ESG Dashboard*
*vs. Sektor basiert auf GICS Level 3 Durchschnitt per KPI; **2022
Quelle: Bloomberg, LSEG, RBI/Raiffeisen Research
Chart 34 - ESG Gesamtscore
Quelle: RBI/Raiffeisen Research
Chart 35 - ESG Ländervergleich
Quelle: RBI/Raiffeisen Research

OMV

Die OMV mit Sitz in Wien ist ein vertikal integrierter Erdöl-, Erdgas- und Petrochemiekonzern, der über eine exzellente Marktposition auf den heimischen Märkten verfügt. Bis 2030 strebt man die Transformation in einen führenden Anbieter von nachhaltigen Brennstoffen, Chemikalien und Materialien an. Somit wird der zukünftige Schwerpunkt auf Lösungen für die Kreislaufwirtschaft liegen. Im Zuge dieser Strategie hat sich die OMV auch klar dazu verpflichtet, bis 2050 ein Unternehmen mit Netto-Null-Emissionen zu werden. Schon heute führt man bei vielen der ESG KPIs gegenüber den Mitbewerbern. Dies gilt vor allem bei der CO2- und Energieintensität, die im Sektor als größte Kritikpunkte gelten. Im Vorjahr stiegen beide KPIs wieder deutlich an, da die Rekordergebnisse im Jahr 2022 die Kennzahlen positiv verzerrten. Andererseits ist man nach einer weiteren Reduktion bei Scope 1, 2 und 3 im Vorjahr auf dem besten Weg die selbstauferlegten Zwischenziele bis 2030 zu erreichen. Wir halten fest, dass die OMV über ein umfangreiches ESG-Reporting verfügt. Um die erfolgreiche Entwicklung aufrechtzuerhalten, stehen Investitionen in CO2-arme Projekte auf dem Plan. In diesem Kontext erwähnen wir den angestrebten Ausbau der Produktion erneuerbarer Energien auf 10 TWh bis 2030. Gerade bei dieser KPI hinkt man dem Wettbewerb etwas hinterher. Auch wenn unser ESG-Gesamtscore der OMV zuletzt stagnierte, konnte der Vorsprung gegenüber der Peergruppe gehalten werden. (Fabian Laminger)

Tabelle 17 - ESG Dashboard*
*vs. Sektor basiert auf GICS Level 3 Durchschnitt per KPI
Quelle: Bloomberg, LSEG, RBI/Raiffeisen Research
Chart 36 - ESG Gesamtscore
Quelle: RBI/Raiffeisen Research
Chart 37 - ESG Ländervergleich
Quelle: RBI/Raiffeisen Research

Österreichische Post

Die Österreichische Post ist der landesweit führende Logistik- und Postdienstleister und bietet auch Bankdienstleistungen an. Dabei werden die Geschäftsaktivitäten in den drei Divisionen Brief & Werbepost, Paket & Logistik und Filiale & Bank gegliedert. Außerdem ist man selektiv auch in internationalen Märkten, wie Deutschland, acht Ländern Zentral- und Osteuropas und der Türkei, aktiv. Stetig steigende Paketmengen erschweren die Optimierung des Betriebs, um CO2-Emissionen zu senken. Im Jahr 2024 veröffentlichte man in Übereinstimmung mit SBTi neue Ziele. Die Österreichische Post verbessert seine Kennzahlen kontinuierlich. Hervorzuheben sind die erfolgreiche Vermeidung und die Reduktion von CO2-Emissionen mittels einer EV-Flotte. Nach Graz erfolgte im Vorjahr in Innsbruck und Salzburg die vollstände Umstellung auf Elektrofahrzeuge. Für dieses Jahr rief man dieses Ziel für Wien aus. Österreichweit verbesserte sich der Elektroanteil aller Fahrzeuge um knapp 8 Pp auf fast 40 %. Einzig den stagnierenden Anteil der erneuerbaren Energien könnte als kleiner Kritikpunkt herangezogen werden. Nach kleinen Fortschritten innerhalb des Sektors hinkt man diesem nun etwas hinterher. In Summe verfügt die Österreichische Post über ein erstklassiges ESG-Reporting. Das Unternehmen lässt nicht nur regelmäßig mit anspruchsvollen Zielen aufhorchen, sondern setzt sie auch konsequent um. In unserem Gesamtscore wird dies unter allen ATX-Unternehmen mit dem Spitzenplatz belohnt. (Fabian Laminger)

Tabelle 18 - ESG Dashboard*
*vs. Sektor basiert auf GICS Level 3 Durchschnitt per KPI
Quelle: Bloomberg, LSEG, RBI/Raiffeisen Research
Chart 38 - ESG Gesamtscore
Quelle: RBI/Raiffeisen Research
Chart 39 - ESG Ländervergleich
Quelle: RBI/Raiffeisen Research

Palfinger

Palfinger ist ein internationales Technologie- und Maschinenbauunternehmen. Es hält die marktführende Position bei Kran- und Hebelösungen. Das Unternehmen setzt sich selbst eine Reduktion der THG-Emissionen zum Ziel. Hierbei gelangen weitere Verbesserungen bei Scope 3, während die beiden anderen Kategorien im Jahresvergleich stagnierten. Eine spezifische Zieldefinition liegt leider nicht vor, wodurch der Fortschritt in relativer Form nicht quantifizierbar ist. Als zweites wesentliches Vorhaben konkretisiert Palfinger die Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien. Auch bei dieser KPI positioniert sich das Unternehmen innerhalb des Sektors überdurchschnittlich gut. Nach der angekündigten Energieeffizienzanalyse berichtete man erstmals den generierten Strom aus PV-Anlagen. Andererseits lässt die annoncierte Zielsetzung noch auf sich warten. Der Gesamtenergiebedarf sank um 2 % YoY. In Bezug auf die geänderte EU-Taxonomie konnte Palfinger für das Jahr 2023 nun auch einen taxonomiekonformen Umsatz iHv. fast 14 % ausweisen. Gleichzeitig verringerten sich der Capexanteil auf 1 %. Positiv hervorzuheben ist die umfangreiche Finanzierung mittels ESG-linked Schuldtiteln. Im H1 23 platzierte die Gruppe ein ESG-linked SSD in Höhe von EUR 154 Mio., dessen KPIs an produktbezogene CO2-Emissionen und die Verletzungsrate gebunden sind. Dies ergänzt das 2022 aufgenommene nachhaltigkeitsbezogene Darlehen. (Fabian Laminger)

Tabelle 19 - ESG Dashboard*
*vs. Sektor basiert auf GICS Level 3 Durchschnitt per KPI
Quelle: Bloomberg, LSEG, RBI/Raiffeisen Research
Chart 40 - ESG Gesamtscore
Quelle: RBI/Raiffeisen Research
Chart 41 - ESG Ländervergleich
Quelle: RBI/Raiffeisen Research

Porr

Die Porr mit Hauptsitz in Wien ist ein multinationales Bauunternehmen mit einer über 150-jährigen Firmengeschichte. Zu den größten Märkten zählen Österreich, die Schweiz, Deutschland, Polen und CEE als breiterer Markt, während das Segment Infrastruktur international aufgrund des eher projektbezogenen Charakters des Geschäfts in der Leistung variiert. Die Bauindustrie ist in der Regel von einem hohen Energie- und Ressourcenverbrauch gekennzeichnet. Entsprechend dessen sind v.a. umweltbezogene Kennzahlen von Interesse. Hier kann das Unternehmen in der globalen Peergroup sowohl bei der CO2- als auch Energieintensität führende Werte verzeichnen, die jedoch über die letzten drei Jahre etwas angestiegen sind. In weiteren wesentlichen ESG KPIs konnten zwar im gleichen Zeitraum Verbesserungen erzielt werden, diese liegen jedoch noch etwas hinter der globalen Peergroup zurück. Betreffend Kreislaufwirtschaft plant das Unternehmen nach der Inbetriebnahme der ersten Gipsrecyclinganlage in Österreich Betonrecycling zu forcieren. Während zuletzt ein Anstieg der EU-Taxonomiefähigen Umsätze (von 34,1 % auf 47,5 %), Capex (14,6 % auf 19,5 %) sowie Opex (9,2 % auf 22,0 %) von Porr ausgewiesen wurde, so ist der Anteil derer nach der EU-Taxonomie konformen Betrachtung im niedrigen einstelligen Prozentbereich etwas gesunken. (Jürgen Walter)

Tabelle 20 - ESG Dashboard*
*vs. Sektor basiert auf GICS Level 3 Durchschnitt per KPI
Quelle: Bloomberg, LSEG, Unternehmensangaben, RBI/Raiffiesen Research
Chart 42 - ESG Gesamtscore
Quelle: RBI/Raiffeisen Research
Chart 43 - ESG Ländervergleich
Quelle: RBI/Raiffeisen Research

RHI Magnesita

Durch den Zusammenschluss von RHI und Magnesita im Jahr 2017 entstand der Weltmarktführer in der Feuerfestindustrie. Mit Refractoryprodukten, die u.a. in Elektrolichtbogenöfen bei der Produktion von grünem Stahl verwendet werden, trägt RHIM aktiv zum grünen Wandel bei. Im Jahresvergleich stellen wir weitere Verbesserungen bei allen wesentlichen ESG-KPIs fest. Während die von uns ausgewiesene CO2-Intensität nur Scope 1 & 2 umfasst, weist RHIM eine CO2-Intensität aus, die alle drei Scopes einschließt (vs. Produkt in Tonnen). RHIM berichtete einen Rückgang um 12 % gegenüber dem Basisjahr 2018, was einer Reduzierung um 4 Pp im Jahresvergleich entspricht. Damit ist RHIM auf dem besten Weg, das Reduktionsziel von 15 % bis zum GJ 25 zu erreichen, und sollte in der Lage sein, ihr Ziel bereits im GJ 24 zu erfüllen. Bereinigt um das anorganische Wachstum wäre der Zielwert bereits erreicht (16 %). Als wesentlicher Hebel zur Verringerung der CO2-Intensität gilt der Einsatz von Sekundärrohstoffen, der im H1 24 bereits 13,2 % gegenüber 10,5 % im GJ 22 betrug und damit ebenfalls in Reichweite des Ziels für 2025 (15 %) liegt. RHIM ist mit EUR 1,4 Mrd. (+ EUR 600 Mio. ungezogener RCF) einer der größten ESG Emittenten Österreichs und demonstrierte zuletzt, dass es auch tatsächliche finanzielle Auswirkungen haben kann. Da alle ESG Finanzierungen an das EcoVadis Rating gebunden sind, hatte das kürzliche Upgrade auf 76 von 72 einen Margin-Rückgang und somit geringere Zinskosten um EUR 0,5 Mio. zur Folge. (Georg Zaccaria)

Tabelle 21 - ESG Dashboard*
*vs. Sektor basiert auf GICS Level 3 Durchschnitt per KPI; **GJ 22
Quelle: Bloomberg, LSEG, RBI/Raiffeisen Research
Chart 44 - ESG Gesamtscore
Quelle: RBI/Raiffeisen Research
Chart 45 - ESG Ländervergleich
Quelle: RBI/Raiffeisen Research

Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment

Die Wurzeln von Schoeller Bleckmann Oilfield Equipment (SBO) liegen in der Energieindustrie. Mit der Herstellung und Lieferung von hochpräzisen Komponenten und Dienstleistungen für die Öl- und Gasindustrie trägt man dazu bei die globale Energieversorgung effizienter und umweltfreundlicher zu gestalten. Folgend macht Scope 3 wenig überraschend den größten Anteil an den CO2-Emissionen aus. In diesem Rahmen meldete SBO Maßnahmen zur Überwachung der Lieferkette. Erfreulicherweise konnten aus diesem Grund zum ersten Mal die Scope 3 THG-Emissionen offengelegt werden. Die gesamten CO2-Emissionen stiegen um rund 13 % YoY an, wobei die Ausweitung auf das Geschäftswachstum zurückgeführt wird. Dies belegt auch die verbessernde CO2-Intensität. Ansonsten ist der hohe Anteil von erneuerbaren Energien positiv hervorzuheben. Zusätzliche Photovoltaikinstallationen in Housten und Dubai erhöhten die Kapazitäten. Obwohl die produzierten Waren und Dienstleistungen hauptsächlich außerhalb der EU nachgefragt werden, folgt SBO der verbindlichen Klimapolitik der EU vorbildlich. Das Unternehmen hat ESG in seine Strategie 2030 verankert und verpflichtet sich, bis 2050 Netto-Null-Treibhausgasemissionen zu erreichen. Jedoch heben wir negativ hervor, dass abgesehen von dieser Standardfloskel keine spezifischen (Zwischen)ziele definiert sind, die eine valide Messung der Fortschritte zulassen würde. (Fabian Laminger)

Tabelle 22 - ESG Dashboard*
*vs. Sektor basiert auf GICS Level 3 Durchschnitt per KPI
Quelle: Bloomberg, LSEG, RBI/Raiffeisen Research
Chart 46 - ESG Gesamtscore
Quelle: RBI/Raiffeisen Research
Chart 47 - ESG Ländervergleich
Quelle: RBI/Raiffeisen Research

Semperit

Semperit ist ein globaler Anbieter von Produkten aus Natur- und Synthesekautschuk bzw. Elastomer-Materialien. Das Produktportfolio umfasst u.a. Hydraulik- und Industrieschläuche, Rolltreppen-Handläufe und Bauprofile. Im Jahr 2023 hat sich die Gruppe strategisch neu ausgerichtet und Teile des medizinischen Geschäfts verkauft. Das hat auch weitreichende Auswirkungen auf die ESG Performance, da damit die konzernweit energieintensivste Produktion entfällt. Vor diesem Hintergrund konnte die Energieintensität auf 3.402 GJ per Umsatz in USD Mio. von zuvor 5.252 gesenkt werden. Auch die CO2-Intensität (Scope 1 & 2 in T per USD Mio. Umsatz) sank auf 290 von 399. In beiden Fällen liegt man damit jedoch noch hinter den Peers zurück, was sich u.a. auf den nahezu nicht vorhandenen Anteil erneuerbarer Energiequellen zurückführen lässt. Ebenso nahm Semperit dies zum Anlass und adaptierte die 2030 Zielwerte. Aufgrund der deutlich geringeren Ausgangsbasis wurde das Energiereduktionsziel auf 5 % (von zuvor 30 %) bis 2030 abgeändert. Auch das Emissionsreduktionsziel wurde auf 10 % (von 30 %) angepasst. Als Basisjahr dient 2023 (zuvor 2019). Semperit war auf einem guten Weg, das zuvor gültige Emissionsziel zu erreichen. Im GJ 23 lag die Reduktion vs. 2019 bereits bei 18 %. Semperit ist darüber hinaus einer der wenigen österreichischen ESG Emittenten mit einer EUR 250 Mio. SLB-Finanzierungsvereinbarung (Darlehen und Kreditlinie) die an KPIs aus dem Bereich Gesundheit und Sicherheit, der Lieferkette und Energie gekoppelt sind. Der Zinseffekt ist mit +/- 6 BP jedoch überschaubar. (Georg Zaccaria)

Tabelle 23 - ESG Dashboard*
*vs. Sektor basiert auf GICS Level 3 Durchschnitt per KPI; **GJ 22
Quelle: Bloomberg, LSEG, RBI/Raiffeisen Research
Chart 48 - ESG Gesamtscore
Quelle: RBI/Raiffeisen Research
Chart 49 - ESG Ländervergleich
Quelle: RBI/Raiffeisen Research

STRABAG

STRABAG bezeichnet sich selbst als europäisches Technologieunternehmen für Baudienstleistungen, führend in Innovation und Kapitalstärke. Das Angebotsportfolio deckt die gesamte Wertschöpfungskette des Bauwesens ab. Innerhalb der Industriepeergroup zeigt sich weitestgehend ein gemischtes Bild. So liegt man beim Anteil erneuerbarer Energie sowie Diversität hinter der globalen Peergroup zurück. Hingegen kann man bei der CO2- sowie Energieintensität und beim Thema Arbeitssicherheit (LTIFR) bessere Werte ausweisen. Zudem ist positiv hervorzuheben, dass STRABAG bis auf den Anteil erneuerbarer Energie und der Diversitätskennzahl (beide gleichbleibend) bei den restlichen drei Kennzahlen in den letzten Jahren Verbesserungen erzielen konnte. Mit dem Strategie Update 2030 hat das Unternehmen zudem einen weiteren Fahrplan für die drei ESG-Dimensionen bekannt gegeben. So beabsichtigt man in Abstufungen bis 2040 Klimaneutralität zu erlangen (2025: klimaneutral Verwaltung, 2030: Baustellen, 2035: Gebäudebetrieb, 2040: Baumaterialien & Infrastruktur). Darüber hinaus beabsichtig man in eigene erneuerbare Energieprojekte mit Fokus auf die Kernmärkte zu investieren. Insgesamt will STRABAG hierbei bis 2030 eine Portfoliogröße von 30-40 Projekten bzw. EUR 1,3 Mrd. erreichen und rund EUR 400 Mio. Eigenkapital (inkl. Partner) investieren. Zudem arbeitet STRABAG laufend an einer Erweiterung der Datenbasis sowie gab es zuletzt die Verpflichtung zu Science Based Targets Initiative (SBTi) bekannt. STRABAG hat nun 24 Monate Zeit, ein kurzfristiges Ziel („near-term target“) SBTi zur Prüfung vorzulegen. (Jürgen Walter)

Tabelle 24 - ESG Dashboard*
*vs. Sektor basiert auf GICS Level 3 Durchschnitt per KPI; Quelle: Bloomberg, LSEG, Unternehmensangaben, RBI/Raiffeisen Research
Chart 50 - ESG Gesamtscore
Quelle: RBI/Raiffeisen Research
Chart 51 - ESG Ländervergleich
Quelle: RBI/Raiffeisen Research

VERBUND

VERBUND ist Österreichs führender Stromanbieter und einer der größten Stromerzeuger aus Wasserkraft in Europa. Der Erzeugungspark wird von emissionsarmer Wasser- und Windkraft dominiert, wobei im Bereich Solar stetige Fortschritte erzielt werden. Die Stromerzeugung aus Wind- und Solarenergie wurde in letzter Zeit durch die Inbetriebnahme neuer Anlagen in Spanien und ein höheres Angebot in Deutschland und Rumänien positiv beeinflusst. Die Strategie 2030 strebt einen Anteil von 20–25 % an Wind- und Photovoltaikenergie im Energiemix an, um die grüne Wasserkrafterzeugung weiter zu ergänzen. VERBUND weist einen hohen Anteil an taxonomiekonformen Umsätzen (60 %) und Investitionen (93 %) auf, wodurch das Geschäftsmodell im Zentrum der grünen Transformation steht. VERBUND strebt an, seine direkten Scope-1-THG-Emissionen bis 2030 um 16 % gegenüber dem Stand von 2015 (rund 1,8 Mio. Tonnen CO2e) auf etwa 1,5 Mio. Tonnen CO2e zu senken. Zur Erinnerung: Bis zum GJ 23 hat das Unternehmen bereits eine Reduzierung um 83 % erreicht. Die Gaskrise wirkte sich aufgrund der verstärkten Nutzung des gasbefeuerten Kraftwerks Mellach negativ auf die Scope-1-Emissionen des Unternehmens aus (+29 % YoY im GJ 22). Die geringere Nutzung von Mellach im GJ 23 führte jedoch zu einem Rückgang der Scope-1-Emissionen um rund 50 % YoY. Wir möchten betonen, dass das Unternehmen ein Vorreiter im Bereich der grünen Finanzierung ist. Im Jahr 2024 folgte die Emission einer grünen Anleihe in Höhe von EUR 500 Mio., die auch die biologische Vielfalt einschließt. Darüber hinaus unterstützt VERBUND seine Kunden bei der Reduzierung von Emissionen, indem es Ökostromprodukte anbietet. (Martin Kutny)

Tabelle 25 - ESG Dashboard*
*vs. Sektor basiert auf GICS Level 3 Durchschnitt per KPI;**green & sustainability linked
Quelle: Bloomberg, LSEG, RBI/Raiffeisen Research
Chart 52 - ESG Gesamtscore
Quelle: RBI/Raiffeisen Research
Chart 53 - ESG Ländervergleich
Quelle: RBI/Raiffeisen Research

voestalpine

Die voestalpine ist ein diversifzierter Stahl- und Technologiekonzern, der sich auf verschiedene Endmärkte vor allem in der EU konzentriert. Die CO2-Reduktion ist das zentrale Thema der Stahlindustrie, die sich für etwa 8 % (IEA) der globalen Emissionen verantwortlich zeichnet. Mehr als 15 % der jährlichen Emissionen Österreichs gehen auf die voestalpine zurück. Vor diesem Hintergrund kommt dem "greentec steel" Programm der voestalpine ein besonderer Stellenwert zu. Dabei werden bis 2035 und darüber hinaus Hochöfen (BF) schrittweise durch Elektrolichtbogenöfen (EAF) ersetzt. Ab 2027 werden die ersten beiden EAFs in Betrieb gehen und zwei BFs ersetzen. Dadurch sollen die Scope 1 & 2 Emissionen ab 2027 bzw. bis 2029 um 30 % gesenkt werden. Zur teilweisen Finanzierung der Green Transition wurde im Herbst 2024, eine grüne Unternehmensanleihe iHv. EUR 500 Mio. aufgenommen. Damit reiht sich die voestalpine zum einen in den exklusiven Kreis der österreichischen ESG Emittenten ein und darf sich darüber hinaus auch erster Green Bond Emittent der europäischen Stahlindustrie nennen. Das Green Finance Framework ist zudem auch an die EU-Taxonomie angelehnt, womit sich das Rahmenwerk auch für den EU-Green-Bond-Standard, der mit 21. Dezember 2024 in Kraft getreten ist, eignet. Insbesondere da die EU-taxonomiekonformen Umsätze aufgrund des greentec-Projekts weiter steigen sollten, da die beiden neuen geplanten EAFs dem in der EU-Taxonomie festgelegten CO2-Intensitätsziel für hochlegierten Stahl über EAFs größtenteils (0,266 T CO2/T Stahl) entsprechen werden. (Georg Zaccaria)

Tabelle 26 - ESG Dashboard*
*vs. Sektor basiert auf GICS Level 3 Durchschnitt per KPI
Quelle: Bloomberg, LSEG, RBI/Raiffeisen Research
Chart 54 - ESG Gesamtscore
Quelle: RBI/Raiffeisen Research
Chart 55 - ESG Ländervergleich
Quelle: RBI/Raiffeisen Research

Wienerberger

Wienerberger mit Sitz in Wien ist ein international führender Anbieter von innovativen Lösungen für die gesamte Gebäudehülle sowie von Keramik- und Kunststoffrohren. Das Unternehmen ist sowohl in Europa als auch in Nordamerika stark vertreten. Mit ihrem Produktangebot ist die Gruppe ein wichtiger Akteur, wenn es um den Energie- und Wasserverbrauch im Neubau und bei der Sanierung insbesondere von Wohngebäuden geht. Daher strebt das Unternehmen bis 2026 einen Anteil von 75 % an den Gesamtumsätzen aus Bauprodukten an, die zu Netto-Null-Gebäuden beitragen (2023: ~70 %). Zu den ESG-Zielen gehört auch ein CO2-Reduktionsziel von -25 % gegenüber 2020 bis 2026 und -40 % bis 2030 (Kohlenstoffneutralität insgesamt bis 2050). Bis 2023 hat das Unternehmen -15 % erreicht. Effizienzverbesserungen einschließlich Dematerialisierung, Umstellung auf grüne Energie für die thermische Nutzung (grüner Strom, grüne Gase) und Kohlenstoffabscheidung und -nutzung sollen die angestrebte Reduzierung unterstützen. Was die Finanzierung betrifft, hat das Unternehmen seit vergangenen Oktober eine Nachhaltigkeitsanleihe im Gesamtvolumen von EUR 350 Mio. ausstehend. Bei diesem SLB sind das zuvor genannte CO2-Reduktionsziel sowie der Umsatzanteil an Bauprodukten, die zu Netto-Null-Gebäuden beitragen, verankerte Ziele mit Beobachtungsdatum zum 31.12.26. (Jürgen Walter)

Tabelle 27 - ESG Dashboard*
*vs. Sektor basiert auf GICS Level 3 Durchschnitt per KPI
Quelle: Bloomberg, LSEG, Unternehmensangaben, RBI/Raiffeisen Research
Chart 56 - ESG Gesamtscore
Quelle: RBI/Raiffeisen Research
Chart 57 - ESG Ländervergleich
Quelle: RBI/Raiffeisen Research

Zumtobel Gruppe

Die Zumtobel Gruppe ist ein internationales Beleuchtungsunternehmen mit Sitz in Österreich. Das Unternehmen sieht Chancen im Sanierungssegment, da die Umsetzung seiner modernen Beleuchtungslösungen zu einem geringeren Energieverbrauch führt. Der vom Unternehmen definierte Anteil erneuerbarer Energien wurde im GJ 23/24 von 59 % auf 60,5 % erhöht, das Ziel von 62 % wurde jedoch nicht vollständig erreicht. Andererseits wurde die angestrebte Reduzierung der Scope-1+2-Emissionen unter 9.950 TCO2e erreicht, da die Gesamtmenge auf 9.580 TCO2e sank. Wir möchten betonen, dass das Leuchtenwerk in Dornbirn einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der CO₂-Emissionen geleistet hat. Der Gesamtenergieverbrauch ging trotz Produktionssteigerung zurück, während der Einsatz von biogener Fernwärme und die Umstellung auf 100 % Wasserkraft den Anteil erneuerbarer Energien erhöhten. Unter anderem arbeitet das Unternehmen an Projekten zum Ausbau von PV-Anlagen und zur Elektrifizierung der Produktion an den Standorten Dornbirn (AT) und Lemgo (DE). Das Unternehmen senkte seine Scope-1- und Scope-2-Emissionen im GJ 2023/24 um 6 % bzw. 19 % YoY, was hauptsächlich auf den geringeren Gasverbrauch und Energieeinsparungen beim Heizen zurückzuführen ist. Zur Erinnerung: Die Zumtobel Group verwendet Gas zum Heizen und für Beschichtungen im Produktionsprozess, während die Firmenfahrzeuge und Notstromaggregate mit flüssigen fossilen Brennstoffen betrieben werden. Der Stromverbrauch bleibt der Hauptbestandteil der Scope-2-Emissionen. Das Unternehmen blieb im Geschäftsjahr 23 Branchenführer in Bezug auf die von LSEG berichteten ESG-KPIs. (Martin Kutny)

Tabelle 28 - ESG Dashboard*
*vs. Sektor basiert auf GICS Level 3 Durchschnitt per KPI
Quelle: Bloomberg, LSEG, RBI/Raiffeisen Research
Chart 58 - ESG Gesamtscore
Quelle: RBI/Raiffeisen Research
Chart 59 - ESG Ländervergleich
Quelle: RBI/Raiffeisen Research

Anhang - ESG Ratingskalen

Tabelle 29 - ESG Ratingskalen für Drittanbieter
*misst das nicht abgedeckte ESG Risiko. Das Ausmaß, in dem der wirtschaftliche Wert eines Unternehmens aufgrund von ESG-Faktoren gefährdet ist
Quelle: LSEG, Moody's, MSCI, S&P, Sustainalytics, RBI/Raiffeisen Research
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Georg ZACCARIA

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Georg Zaccaria leitet die Corporate & Sector Research Abteilung innerhalb des Capital Markets & ESG Research. Darüber hinaus deckt er die Metals & Mining und Automotive Industrien sowie einzelne Namen auf der Fixed Income Seite in den beiden genannten Branchen sowie ausgewählte AT-Emittenten ab. Bevor Georg 2018 zur RBI kam, arbeitete er bei Ernst & Young und schloss zeitgleich sein Masterstudium in Finance ab. Seit August 2021 ist Georg Zaccaria ein CFA® Charterholder und hat zudem im Dezember 2022 das vom CFA® Institute ausgestellte Certificate in ESG Investing abgeschlossen.

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Fabian LAMINGER

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Fabian Laminger ist seit Oktober 2022 bei Raiffeisen Research. In seiner Funktion deckt er die beiden Industrien Packaging und Transportation sowie die zugehörigen Einzeltitel im Fixed Income Research ab. Vor seinem Eintritt in die RBI entwickelte er fast ein Jahrzehnt systematische Lösungsansätze für wiederkehrende Ineffizienzen in Sportwettenmärkten. Nebenbei erwarb er einen Abschluss an der Wirtschaftsuniversität Wien.